Kai Krause ist der meistgefragte Computer Wizard der Gegenwart. Er ist ein Guru des digital imaging, der Legenden entstehen läßt. Stolz kann er auf eine Bildergalerie blicken, als deren Vater er sich betrachten darf, obwohl er die meisten davon nicht selber gemalt hat. Lange Zeit wurde Kai als psychedelischer Post-Hippie gefeiert.

Ein sympathischer junger Mann aus Essen wird vom Bundeswehrflüchtling zum Miteigentümer des innovativen Software Unternehmens HSC. Die Initialen seiner Programme sind Markenzeichen: Kai's Power Tools (KPT). KPT, dann KPT Bryce und KPT Convolver setzten neue Maßstäbe in der Computergraphik. Eine an LSD-Räusche erinnernde Benutzerführung galt lange als die Kurzfassung der Design Philosophie: Nichts soll so sein, wie es mal war, wenn Kai Krause seine Finger im Spiel hat. In den USA gilt Kai Krause als Visionär. Seine frischen, unkonventionellen Ideen und die Weigerung, Fehlentwicklungen zu akzeptieren, verschaffen ihm Gehör: Etwa als Hauptredner bei der MacWorld Expo, als Berater von Al Gore, der NASA, des FBI oder als Partner in Projekten von Peter Gabriel.
Seine eigene Geschichte klingt fantastisch: Um der Bundeswehr zu entkommen, verließ er mit 18 Jahren Deutschland. Mit seiner heutigen Frau Barbara und einem Schulfreund wollte Kai im VW-Bus auf Weltreise gehen. Die amtliche Freistellung war besorgt, aber der Bund wollte ihn trotzdem holen. Er hatte "aus Spaß an der Freude" an einem Test mitgemacht, der ihm hohe Intelligenz und die Befähigung zum Jet-Piloten bescheinigte. Schluß mit lustig: Die Feldjäger kamen, um ihn abzuholen. Kai war schneller: In der Nacht davor hatte er mit seinen Freunden das Flugzeug ins Land der aufstrebenden Tellerwäscher und Fast-Jet-Piloten bestiegen: "Wir hatten große Pläne und das kam mir sehr quer. Wir haben alles verkauft und sind dann zu dritt nachts Hals über Kopf abgehauen. Das war ganz lustig, ein Abenteuer, haben wir nie bereut." Dafür gibt es auch keinen Grund. Weder privat noch beruflich. Kai und Barbara haben inzwischen drei Kinder und von beruflichem "Erfolg" zu reden, ist bei einer 120-Angestellten-Firma krasse Untertreibung. Dabei hat alles ganz klein angefangen: "Das Ganze ging um ein paar Ecken. In Deutschland habe ich elektronische Musik gemacht und statt dem üblichen Abiturauto habe ich mir einen Synthesizer gekauft. Alle dachten, ich bin wirklich bekloppt, das zu machen. Aber ich habe mich da reingesteigert. Und das ging dann von der elektronischen Musik zur Computermusik. Als ich dann in die Staaten kam, hatte ich gedacht, das macht hier jeder. Dem war aber nicht so. So wurde ich als Spezialist eingestellt, habe Platten gemacht und Effekte bei Filmen wie StarTrek." Von der Programmierung des Synthesizers führte Kais Weg zur Software: Er entwickelte ein Programm zur 3D-Darstellung von Klängen. Die fanden ihren Weg wiederum in die damals beginnende Welt der Business-Grafik . Heute laufen Kai-Engines noch in Programmen wie Excel. - Das war seine erste Million.

Kai's Power Tools - die vielfach ausgezeichneten Graphikprogramme der 1987 gegründeten HSC - katapultierten den Essener schließlich in die Reihe der Top Innovatoren in der Branche. Ungewöhnliche Design-Interfaces und psychedelisch wirkende Bilder als KPT-Ergebnis, verpaßten ihm ein Image, das ihm nicht gefallen will. Es war nie Sinn der Sache, irgendwelche komischen, raumschiffartigen Dinge daraus zu basteln. Sicherlich habe ich mir die Freiheit genommen, ein bißchen Spaß zu haben" KPT soll nicht nur das perfekte Werkzeug für den Profi, sondern kreative Herausforderung für jeden sein. Der ganz normale Anwender ist immer wieder ein Thema. "Ich halte es für interessanter, statt Doom zu spielen und den Leuten die Köpfe abzuschießen, sich mit Kreativität zu befassen", erklärt er. Dann erzählt er die Geschichte von der 76jährigen Frau, die Fotos ihrer Katzen verändert oder dem Anwalt, der seinen Job hinschmeißt und jetzt CD-Cover entwirft. "Es ist ein riesiger Abstand vom Macher zum Betrachter. Diesen Kreis möchte ich brechen", betont Krause. "Du wirst Videos mit tollen Effekten sehen, aber diese Effekte kannst du für 150 Mark selbst besorgen. Diesen demokratisierende Effekt halte ich für sehr interessant. Es ist eigentlich eine sinnlose Elitebildung, wenn nur Leute, die es sich leisten können, über diese Effekte verfügen."

Die neuen Lösungen, die Kai anbietet, beschränken sich längst nicht mehr auf Probleme der Werbegraphiker. Nationale Sicherheit kommt ins Spiel. Kais Graphikprogramm Convolver bereitet unschärfste Fahndungsfotos nur durch Mausschieben in kürzester Zeit so auf, daß man Gesichter oder Nummernschilder erkennen kann. Das FBI hat sündhaft teure Riesenrechner, auf denen man jede einzelne Operation eingeben muß. "Die Jungs wären mir beinahe vom Hocker gefallen."

HSC bereitet sich darauf vor, die Graphiknische zu verlassen. Die einstige Drei-Personen Firma hat die notwendige Größe erreicht. Mit rund 120 Angestellten stimmt der Rahmen. "Man braucht diesen ganzen Unterbau, um ein großes Programm laufen zu lassen. Der Rennwagen steht in der ersten Reihe", erklärt Kai, "und ich habe mich endlich qualifiziert, um mitfahren zu dürfen."